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Wish I`d be here

Interview anläßlich der Premiere in Greifswald
Ballett des Theater Vorpommern, Tanztendenzen 99

Was ist Tanz/Tanztheater für Sie?

"Es geht für mich um die Suche nach Ausdrucksmitteln für bestimmte Situationen, und zwar die optimalen Ausdrucksformen. Das kann Bewegung, aber auch Sprache sein. Unabhängig von Tanztechnik und Stil mache ich mich auf die originäre Suche unter der Prämisse: Was will ich ausdrücken und welches Mittel kommt dem am nächsten. Ziel muß sein, größtmögliche stilistische Freiheit und größtmögliche inhaltliche Konsequenz.
Das Tanztheater der siebziger Jahre und die Postmoderne haben sehr unterschiedliche Entwicklungsansätze. Die eine Richtung ging über Emotion, manchmal psychologisch, die andere über Geometrie und Raum, rein formal. Ich möchte diese Gegensätze integrieren, also über unterschiedliche Formsprachen Emotion hervorrufen."

Kann Tanztheater die heutige Welt darstellen –
ist es dabei auf die Darstellung von Beziehungen beschränkt?


"Ich komme aus der freien Szene. Auf Grund der beschränkten Produktionsmöglichkeiten gab es eine Flut von Duetten [Mann-Frau-Beziehung]. Klar, es ist das älteste Thema der Welt. Doch in unserer Kultur stehen einfach ganz andere Fragen an: Utopie, Ziel, Wahrheit."

Was unterscheidet die Arbeit mit einem Ballett an einem Stadttheater von Ihrer sonstigen Arbeit?

"Für mich ist ungewohnt, daß in so einem Betrieb die Tänzer während der Erarbeitung noch im Spielbetrieb eingebunden sind. Die Tänzer müssen also verschiedene Stilrichtungen bedienen, sich Arbeits- und Entwicklungsstilen anpassen.
Normalerweise nehme ich mir einen Monat Zeit, in dem nur improvisiert wird. Dabei kann man die Persönlichkeiten genau kennenlernen. Der spannendste Moment ist eigentlich die Form der Intimität bei der Arbeit. Ich will ja nicht vorgeben, sondern den Impuls geben: Laßt uns gemeinsam suchen. Das ist hier schwieriger."

Wie weit gehen Ihre Vorgaben an die Tänzer – ist Improvisation Hauptmerkmal Ihrer Arbeit?

"Meine Improvisationstechnik, ohne das weit auszuführen, sucht die Auseinandersetzung zwischen Körper und Außen. Das Außen stellt sich der Tänzer nach bestimmten Regeln konkret vor und paßt sich mit den Bewegungen an. Eine bestimmte Bewegungsqualität entsteht. Die Aufgabenstellung an den Tänzer ist also eine physisch. Und das aus einem einfachen Grund: es geht nicht um die Emotion auf der Bühne, sondern darum, diese beim Publikum hervorzurufen. Entscheidend ist nicht, was der Tänzer fühlt, sondern was das Publikum erfährt."

Wann entwickeln Sie Ihre Choreograhie, wieviel Spielraum ist da während der Proben?

"Es kommt auf die Situation an, die während der Proben entsteht. Was konkret an Entwicklung auf der Bühne passieren soll, entsteht während der Proben. Für Teile habe ich sehr konkrete Vorstellungen, manches ergibt sich dann aus Konstellationen, die man nicht voraussieht. Aber egal, ob ich es vorher weiß oder nicht, ich versuche , mir die Zeit zu nehmen, Improvisationen als Anregungen aufzunehmen und die Tänzer heran zu führen. So verändern sich Szenen. Spannend ist es doch, wenn man bis zum Schluß offen bleibt, verändert, immer neu fragt.

Ich habe aus zwei existierenden Stücken Ansätze übernommen, aber auch vorgegriffen auf ein Konzept, das im Herbst entstehen wird. So hat sich aus verschiedenen Eckpunkten ein größeres Thema ergeben: wie Menschen sich selbst wirklich empfinden wollen. Das ist eine Sehnsucht, ein Bedürfnis im Alltag, der man sich selten bewußt ist."

Brauchen Sie Musik, wie suchen Sie diese aus?

"Während der Probezeit müssen Bewegungen von den Tänzern als gleichrangig gegenüber der Musik empfunden werden. Musik soll dabei erst einmal nur ein bestimmtes Bewegungs- und Rhythmusgefühl unterstützen.

Wichtig wird sie für mich auf der Bühne. Dann gehe ich mehr als Arrangeur zur Sache, der die verschiedenen Stimmen, zu denen ich auch die Choreographie zähle, noch einmal neu komponiert."

Wie finden Sie ein Thema, gibt es Anregungen?
Gibt es immer ein Thema , das variiert wird?


"Man ist Kind seiner Zeit, beobachtet bestimmte Haltungen, stellt Fragen, entdeckt. Eigentlich geht es in dem Stück diesmal um die Generation nach meiner Generation, die 20-30jährigen. Deren Sehnsucht nach Wirklichkeit und Wirkung. Ihre Beziehung zu sich, ihre Beziehung zur Außenwelt, Heimatgefühl. Sich treiben lassen, weil man kein Ziel formulieren kann, aggressiv Reibungspunkte suchen , um zu fühlen, daß man da ist. Das Thema war eine Entdeckung, weniger Plan.

Mich interessiert die Frage nach Lebensgefühl, und zwar wörtlich genommen. Nicht was für ein Lebensgefühl, vielmehr das man ein Ich-bin-lebendig-Gefühl braucht."



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